Joachim Flick - Weingut in der StrassenmühleDie
Strassenmühle blickt auf eine fast 700 jährige, wechselhafte Geschichte
zurück. Die Eppsteiner Grafen erbauten die Mühle wahrscheinlich im 12.
Jahrhundert. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte am 15. August 1318
durch Gottfried V von Eppstein und seiner Frau Loretta. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts
betrieben die Grafen von Eppstein wegen großer Schulden den Ausverkauf ihres
Landes. Die Strassenmühle ging in den Besitz der Landgrafen von Hessen über.
Die Mühle hieß jetzt Landgräfliche Mühle. Das
Besondere an den neuen Besitzern war, dass diese Protestanten waren. Mit ihrem
Besitz am Wickerbach schufen die Landgrafen eine protestantische Enklave inmitten
des von den Erzbischöfen beherrschten Mainzer Staates. Für die in Erbleihe,
auf dem akkurat abgezirkelten hessischen Grund, tätigen Müller, bedeutete
dies, dass sie von allen Abgaben und Frondiensten, die ihre Nachbarn gegenüber
Mainz zu erfüllen hatten, befreit waren.
Erst 1803 endete der Sonderstatus der Strassenmühle als die, durch Napoleon
geförderte, riesenhafte Flurbereinigung, viele der vorherigen Mächte
hinwegfegte. Damit endeten auch die häufigen Streitfälle zwischen
den katholischen Mainzern und den protestantischen Landgrafen. Die Strassenmühle
ging in privaten Besitz über. Die Zerstörungen durch französische
Truppen 1799 wurden beseitigt und der Mühlenbetrieb wieder aufgenommen.
Bis 1945 wurde eine Likörfabrikation betrieben. Nach Jahren der rein landwirtschaftlichen
Nutzung, erwarb das Weingut Joachim Flick 1994 die Strassenmühle und riss
sie aus ihrem Dornröschenschlaf. Heute treffen dort keine territorialen
Interessen verschiedener Landesherren und Konfessionen aufeinander. Vielmehr
ist die Strassenmühle, die zwischenzeitlich das Flair eines stillgelegten
Truppenübungsplatzes hatte, ein Ort, der Bestes aus Küche und Keller
bietet.